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Eltern können Defizite von Frühchen ausgleichen

Kinder, die in der 36. Schwangerschaftswoche oder früher auf die Welt kommen, werden als Frühchen bezeichnet. Diese Babys brauchen eine optimale medizinische Versorgung und vor allem viel Liebe und Körpernähe ihrer Eltern.

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Auch wenn die Frühchen sich im Babyalter gut entwickeln, dauert die Sorge der Eltern um sie noch sehr viel länger an. So zeigen zu früh geborene Kinder in der Schule oft schlechtere Leistungen als zum Termin geborene. Sie haben ein doppelt so hohes Risiko, eine Schulklasse wiederholen zu müssen.1 Das muss aber nicht sein, so das Ergebnis einer aktuellen Studie.2 Wenn Eltern ihre früh geborenen Kinder im Grundschulalter besonders einfühlsam unterstützen, können sie Lerndefizite vermeiden.

In Deutschland kommen zwanzig Prozent der Neugeborenen zwei bis drei Wochen vor dem errechneten Geburtstermin auf die Welt. Fünf Prozent  werden vier bis sechs Wochen zu früh geboren.

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Die Entwicklung eines Frühchens ist nicht sicher vorherzusagen. Viele zu früh geborene Kinder entwickeln sich nach anfänglichen Startschwierigkeiten völlig unproblematisch und besuchen ohne wesentliche Hindernisse Kindergarten und Schule. Andere dagegen kämpfen ihr Leben lang mit unterschiedlichsten Problemen, die auch ihre schulischen Leistungen beeinträchtigen können.

Was können Eltern tun?

Man weiß, dass Frühgeborene im Alter von sechs Jahren unabhängig von ihrer Intelligenz schwächere Aufmerksamkeitsleistungen zeigen als normal Geborene.3 Aber: Entwicklungsrückstände können im Elternhaus ausgeglichen werden, wenn Eltern ihrem Kind vielfältige Anreize geben, Lernerfahrungen zu machen und die Welt in seinem eigenen Rhythmus zu erforschen.

Das zeigen die Ergebnisse einer deutsch-englischen Studie, in der untersucht wurde, welchen Einfluss das Verhalten der Eltern im sechsten Lebensjahr der frühgeborenen Kinder auf deren spätere Schulleistung  hatte. Die frühgeborenen Jugendlichen, deren Eltern sich um eine einfühlsame und stimulierende Erziehung mit vielen Lernanreizen bemüht hatten, wiesen mit 13 Jahren deutlich bessere Schulleistungen auf als jene, die von ihren Eltern keine Förderung erhalten hatten.

Wichtig für den späteren schulischen Erfolg ist, so die Erkenntnis der Wissenschaftler, dass die Eltern ihre Erziehung individuell dem Verhalten und der Aufmerksamkeit des Kindes anpassen. Es gilt, die kindliche Selbstkontrolle und Konzentration zu fördern, zum Beispiel indem die Eltern bei Hausaufgaben einfühlsame Rückmeldungen geben und Lösungsvorschläge machen, anstatt die Aufgaben für das Kind zu lösen. Vorlesen oder gemeinsam puzzeln fördert zudem die Aufmerksamkeit der Kinder und regt sie zum selbstständigen Denken an.

Eine weitere Studie macht deutlich, dass sich ungünstige familiäre Lebensumstände wie niedriges Bildungsniveau, Herkunft aus zerrütteten Verhältnissen, psychische Auffälligkeiten der Eltern und chronische Schwierigkeiten bei der Lebensbewältigung negativ auf die Entwicklung von Frühgeborenen auswirkt.4 Kinder aus ungünstigen familiären Lebensverhältnissen entwickelten sich motorisch und bezüglich ihres Lernvermögens schlechter als Frühgeborene aus Familien ohne familiäre Belastung. Außerdem waren bei Kindern aus belasteten Familien über die gesamte Untersuchungszeit Verhaltensprobleme häufiger anzutreffen.

Lesetipp 

Informationsbroschüre des Bundesverbandes „Das frühgeborene Kind” e.V.
http://www.uk-essen.de/fileadmin/Kinderklinik/Downloads/Entwicklungsprognose.pdf

 

Quellen

[1] Poets CF, Wallwiener D, Vetter K (2012) Risks associated with delivering infants 2 to 6 weeks before term – a review of recent data. Dtsch Arztebl Int 109 (43): 721−726
[2] Wolfe D, Jäkel J. et al. Effects of sensitive parenting on the academic resilience of very preterm and very low birth weight adolescents. Journal of Adolescent Health 2013, DOI: 10.1016/j.adohealth.2013/06.014
[3] Gawehn N. Die Entwicklung ehemaliger frühgeborener Kinder – Aufmerksamkeitsleistungen ehemaliger Frühgeborener im Schul- und Vorschulalter. Verlag Dr. Kovač, Hamburg 2009
[4] Esser G, Ballaschk K et al. Determinanten sozialer Fertigkeiten von Kindern. Ergebnisse einer prospektiven Längsschnittstudie. Kinderärztliche Praxis 2005; 77, Sonderheft Frühe Gesundheit und Prävention: 42–47