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Wie ungesund ist Fast Food für Kinder?

Fast Food ist ungesund, aber aus unserer heutigen Ernährung kaum noch wegzudenken. Warum also macht man es nicht gesünder? Ein erster Schritt wären genaue Informationen über die Inhaltsstoffe. 

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Pommes, Tiefkühlpizza, Burger, Sandwiches oder Schokoriegel stehen bei vielen mehrmals pro Woche auf dem Speiseplan. Die 500 Kilokalorien in einem Big Mac entsprechen exakt dem Energiegehalt, der bei zehn- bis zwölfjährigen Kindern für eine Hauptmahlzeit empfohlen wird. Zusammen mit Pommes und Softdrink allerdings erhöht sich der Wert auf mehr als 1000 Kalorien. Das sind dann schon zwei Mahlzeiten in einer.

Ob sich Fast Food auf Gesundheit und Gewicht auswirkt, wird unter anderem auch davon beeinflusst, wie genau die Verbraucher über die Menge und Art der Inhaltsstoffe informiert werden. Zu diesem Ergebnis gelangten Forscher am Seattle Children's Research Institute: In einer Studie1 ergänzten die Wissenschaftler in der Speisekarte eines Fast-Food-Restaurants für alle Kindermenüs die Kalorienangaben. Eltern bestellten in der Folge durchschnittlich 102 Kilokalorien weniger für ihre drei- bis sechsjährigen Kinder. Auf das Jahr gerechnet könnte damit einiges an Übergewicht vermieden werden.

Falsche Schätzungen der Kalorien

Wie eklatant sich Verbraucher ohne diese Informationen bezüglich des Energiegehalts ihrer Mahlzeiten verschätzen, zeigten zwei Wissenschaftler aus Frankreich und der Universität Chicago. Sie ließen zwei Gruppen von je 23 Personen bei McDonalds einen Burger oder bei Subway – einer Fast-Food-Kette, die mit besonders kalorienarmen Gerichten wirbt – ein Sandwich essen. Zusätzlich konnten die Teilnehmer noch ein Getränk oder einen Nachtisch bestellen. Das Ergebnis: Die Gruppe mit den als kalorienarm beworbenen Sandwiches gönnte sich diese Extras häufiger. Ihre Kalorienaufnahme schätzten die Probanden dabei um mehr als 50 Prozent zu niedrig ein. Was sie nicht wussten: Ein Subway-Sandwich enthält 50 Prozent mehr Kalorien als ein Burger, zusammen mit den Extra-Bestellungen lag die Kalorienbilanz dieser Gruppe um 131 Prozent über der Burger-Gruppe.

Fast Food auch an Allergien schuld?

Aber nicht nur Übergewicht ist eine ungesunde Folge der Fast-Food-Ernährung. Eine internationale Forschungsgruppe, an der auch die Universität Ulm beteiligt ist, untersucht aktuell den Zusammenhang zwischen dem Verzehr von Schnellgerichten und der steigenden Anzahl allergischer Erkrankungen wie Heuschnupfen, Hautausschläge oder Asthma bei Kindern und Jugendlichen. Drei Fast-Food-Mahlzeiten pro Woche reichen offenbar aus, um das Risiko für diese Erkrankungen steigen zu lassen. Als Ursache gelten sogenannte trans-Fettsäuren. Sie entstehen bei der industriellen Fettherstellung, etwa von Margarine, und sind vor allem in Pommes, Chips und Industriebackwaren enthalten.

Eine Langzeitstudie2 der University of North Carolina, USA, an Affen zeigte außerdem, dass trans-Fettsäuren auch das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Diabetes erhöhen. In Dänemark sind diese Fette daher per Gesetz verboten.

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Eltern als Vorbild

Entgegen dem verbreiteten Klischee ist Fast Food übrigens kein Phänomen der Schnellrestaurants. Dort sind Kinder als Umsatzbringer sogar von untergeordneter Bedeutung. Sie nehmen die meisten Mahlzeiten nämlich am heimischen Küchentisch ein. Eltern können dort mit der Entscheidung für oder gegen eine Tiefkühlpizza die Gesundheit ihrer Kinder beeinflussen – und auch mit den eigenen Essgewohnheiten. Studien aus England belegen, dass beispielsweise Väter, die regelmäßig Fast Food essen, häufig Kinder mit bereits erhöhten Blutzuckerwerten zeugen.

Für England, der Nation mit dem höchsten Fast-Food-Konsum weltweit, wird daher in einigen Jahren eine Diabetes-Epidemie erwartet. Ein Grund mehr, dieses Stück Lifestyle endlich etwas gesünder zu machen.

Fettgehalte
Einfacher Hamburger: 9 g
Stück Salami-Pizza: 25 g

Energiegehalte
Frühstücksbrötchen: 100 kcal
Scheibe Leberwurst: 100 kcal
2 große Kartoffeln: 100 kcal
Normaler Big Mac: 500 kcal
Big Mac mit Bacon: 900 kcal
Mittlere Portion Pommes: 350 kcal
Blaubeer-Muffin: 430 kcal

Pro-Kopf-Verbrauch an Gemüse in Deutschland
In den 1950er-Jahren: 50 kg
Im Jahr 2010: 100 kg
Anstieg des Konsums von frischem Obst zwischen 1950 und 2010: 300%

Zeit, die Kinder pro Tag durchschnittlich mit Essen verbringen
Im Zeitraum 1991/1992: 81 Minuten
Davon Mahlzeiten zu Hause: 72 Minuten
Davon Mahlzeiten außer Haus: 9 Minuten
Im Zeitraum 2001/2002: 103 Minuten
Davon Mahlzeiten zu Hause: 85 Minuten
Davon Mahlzeiten außer Haus: 17 Minuten

 

Quellen:
[1] Seattle Children's Research Institute (2010) Fast food menus with calorie information lead to lower calorie selections for young children. www.seattlechildrens.org/media/press-releases/Fast-Food-Menus-With-Calorie-Information-Lead-To-Lower-Calorie-Selections-For-Young-Children/
[2] Chandon P, Wansink B. The biasing health halos of fast-food restaurant health claims: lower calorie estimates and higher side-dish consumption intentions. (Verzerrung in der eigenen Einschätzung des Kaloriengehalts/Vergleich McDonald und Subway.) Journal of Consumer Research 2007;34: 301–314. foodpsychology.cornell.edu/pdf/permission/2007/health_halos-JCR_2007.pdf